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Besuch des Bundestagsabgeordneten Lothar Binding in Sachen Demenz/Alzheimer

von links: Frau Renate Deutschmann, MDB Herr Lothar Binding, Frau Sabine Schulz Photo H.Krämer


Ein Artikel in einer Zeitung des Rhein-Neckar-Kreises, in dem Herr Binding seine Meinung als Bundestagsabgeordneter über die Heimunterbringung Demenzkranker in Deutschland zum Ausdruck gebracht und in dem er sich für die Errichtung eines Dorfes für demente Bewohner (analog Hogewey/Holland) auf dem ehemaligen Militärgelände der Amerikaner in Heidelberg ausgesprochen hatte, war für Frau Deutschmann, Heimleiterin des Altenpflegeheimes Almenhof/Mannheim, Anlass, den Bundestagsabgeordneten zu einem Gespräch einzuladen. An dem Gespräch nahmen unter anderem auch Fachkräfte aus dem Bereich Pflege sowie zwei weitere Vertreter der Alzheimer Gesellschaft Mannheim - Selbsthilfe Demenz e.V. teil.

Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion darüber, welche Möglichkeiten in deutschen Heimen bereits bestehen, dementen Bewohnerinnen und Bewohnern ein würdevolles und fröhliches Leben zu ermöglichen, und über alternative Wohnformen für Demenzkranke; auch über gute Pflege zu Hause, Nachbarschaftshilfen und über die Unterstützung ambulanter Dienste wurde gesprochen.

Herr Binding wurde von Frau Schulz, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft Mannheim, gefragt, ob er nicht falsche Vorstellungen vom Leben in Heimen in Deutschland habe. Schließlich hätte er sich während seines Besuches im Altenpflegeheim selbst davon überzeugen können, wie demente Bewohnerinnen und Bewohner in hellen, ansprechenden Räumen leben, wie sie mithilfe persönlicher Dinge - dem alten Lehnstuhl von zu Hause, Familienphotos an den Wänden und der Teetasse von daheim - Behaglichkeit und Vertrautheit empfinden können. Er nahm mit Interesse wahr, wie selbst die im fortgeschrittenen Stadium an Demenz erkrankten Bewohnerinnen und Bewohner in das Alltagsgeschehen mit eingebunden sind:

Es wird gesungen, es wird gemeinsam Geburtstag gefeiert, die Bedürfnisse des Einzelnen werden sehr stark berücksichtigt. Alltagsbegleiter beziehen ihr Beschäftigungsangebot auf alle Stadien der Erkrankung und achten darauf, dass für jeden Bewohner etwas dabei ist. Ein Therapiehund löst große Begeisterung aus. Ballspiele werden ebenso angeboten wie – jahreszeitgemäß - das Singen von Frühlingsliedern.

Dem Abgeordneten wurde bedeutet, dass das Leben auf endlosen langen Fluren, auf Stationen, die in erster Linie Sterilität spüren lassen, immer mehr man aus Deutschlands Altenpflegeheimen verschwindet. Stattdessen konnte er erkennen, dass auch das Leben auf einer geschlossenen Station immer weniger den Eindruck eines "gepflegten Gefängnisses" vermittelt:

In kleinen Gruppen sitzen die Bewohnerinnen und Bewohner in einem Zimmer ihrer Wahl. Es wird schon einmal das Bett vertauscht; auch liegen schon einmal zwei Bewohner zusammen in einem Bett. Das gilt auch für die anderen Stationen mit dementen Personen.

MdB Binding wurde erklärt wie wichtig es sei dass Bewohnerinnen und Bewohner in ihren sozialen Belangen und ihren Bedürfnissen zueinander passen, und dass Menschen mit extrem auffälligem Verhalten zu einer großen Belastung für andere werden können; insbesondere das stelle mit Fortschreiten der Demenzerkrankung eine große Herausforderung für Heim- und Pflegdienstleitungen dar.

Im Vordergrund dementengerechter Pflege und Betreuung, dementengerechten Wohnens, stehe auch in Deutschland die Würde und die Freiheit der Menschen. Um beides bewahren zu können, bedürfe es keiner neuen Wohnformen.

Wir hatten Gelegenheit, mit Herrn Binding zu besprechen, dass uns ganz andere Probleme belasten:

  • das Überangebot von Heimplätzen bzw. die zum Teil leeren Heime. weil die Heime wegen
  • fehlenden Personals keine Bewohnerinnen und Bewohner mehr aufnehmen können
  • dass Pflegekräfte bereits in Rumänien gesucht werden müssen
  • dass der Personalmangel in den Heimen – gesamtgesellschaftlich betrachtet –besorgniserregend ist.


Wir bedeuteten ihm, dass an mehreren Stellen gearbeitet werden müsse, um wieder mehr Menschen für pflegerische Berufe zu gewinnen: Es müsse beginnen in der Erziehung im Elternhaus und in der Schule. Begriffe wie Nächstenliebe, Sozialdenken, Nachbarschaftshilfe und Barmherzigkeit dürften nicht nur benannt, sondern es müsse auch mehr danach gelebt werden. Das wäre dann vielleicht zugleich ein Anreiz für junge Menschen, sich dem pflegerischen Beruf wieder mehr zu stellen.

Das bedeute nicht, dass wir selbst und unsere politischen Vertreter, nicht auch über neue Wege nachdenken müssten: über Lohnformen im Bereich der Pflege, über Personalschlüssel in Heimen und Krankenhäusern und über allgemeine Entlastungsmöglichkeiten im pflegerischen Bereich zu Hause bzw. im Heim.

Von Pflegegeldsätzen im Ausland, von der Unterstützung für demente Personen und von dem Personalschlüssel in ausländischen Einrichtungen, z.B. in Holland, sollten wir uns aber nicht blenden lassen. Auch können unsere Möglichkeiten in Deutschland nicht auf andere Länder übertragen werden .

Wir sind davon überzeugt, dass Herr Binding verstanden hat, worauf es uns bei seinem Besuch im Altenheim Almenhof ankam, und wir hoffen, dass er sich auch der Belange der an Demenz Erkrankten verstärkt annehmen wird.

Selbsthilfegruppe

Alzheimer-Telefon

0621 744864

Wir danken folgenden Firmen für ihre Unterstützung: